>>> 27.07.10 Prisma Life - Afa verkauft ...

26.07.2010     WDR   Markt       hier

Zitat:

Lebensversicherung: Provisionstricks

Versicherern und Vermittlern von Kapitallebensversicherungen entgeht ein Teil der Provisionen und Abschlusskosten, wenn der Kunde zu früh kündigt. Es gibt aber Tricks, immer die volle Summe abzukassieren.

Für Versicherer und Vermittler sind fondsgebundene Lebensversicherungen ein gutes Geschäft. Sparer zahlen häufig drauf, denn von ihren Beiträgen gehen meist hohe Vermittlungs- und Verwaltungskosten ab. Der Rest wandert in einen oder mehrere Fonds, deren Entwicklung in den Sternen steht.

Für heftige Diskussionen in einschlägigen Internetforen sorgt derzeit eine Fondspolice, die vom kleinen Liechtensteiner Versicherer Prisma Life AG angeboten wird. Was empörte Kunden oft erst merken, wenn sie dort einen Vertrag abgeschlossen haben: Die Provisions- und Abschlusskosten - häufig mehrere Tausend Euro - müssen sie auch zahlen, wenn sie den Vertrag schon früh wieder kündigen. Der Grund: Sie haben einen separaten Provisionsvertrag unterschrieben, oft ohne es zu merken.

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Ein Blick in Handelsregister und den Geschäftsbericht der Prisma Life zeigt aber: Es dürfte auch starke wirtschaftliche Interessen geben. Hauptaktionär der Prisma Life ist die österreichische Sky Tower Holding AG. Die wiederum gehört dem Gründer und Chef der AFA AG, Sören Patzig. Es gibt weitere personelle Verflechtungen. Der Vater des Firmengründers, Harry Patzig, ist im Verwaltungsrat der Prisma Life AG und gleichzeitig Mitglied im Vorstand der AFA. Im Versicherungsvermittlerregister der Handelskammern ist die AFA als „Vertreter“ eingetragen. Sie ist damit eine Vertriebsorganisation und bahnt im Auftrag einer oder mehrerer Versicherungen Geschäfte an - bei Fondspolicen im Auftrag der Prisma Life.

Acht Prozent Abschluss- und Einrichtungskosten

Auch sind Zweifel an den angeblichen Bestnoten für das Produkt erlaubt. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen fließen die Beiträge des Versicherten in einen oder mehrere Fonds. Zuvor werden jedoch reichlich Abschluss- und Verwaltungskosten abgezogen. Dabei hängt es von der Entwicklung der Fonds und der Höhe der Nebenkosten ab, wie viel der Kunde am Ende ausbezahlt bekommt, wie hoch also der Rückkaufswert ist. Rund 11,5 Milliarden Euro haben deutsche Sparer 2009 in solche Fondspolicen eingezahlt (Quelle: GdV). Fast jede zweite neu abgeschlossene Rentenversicherung war eine Fondspolice. Doch Verbraucherzentralen warnen: Es sei eine meist teure und riskante Form der Altersvorsorge.

Auch bei Prisma Live sind die Verträge teuer. In Stankes Vertrag betragen die Abschluss- und Einrichtungskosten rund acht Prozent der Beiträge, die er über 35 Jahre einbezahlt hätte. Hinzu kommen noch jährliche Verwaltungskosten von sechs Prozent der Beiträge und eine jährliche fixe Verwaltungsgebühr von 30 Euro. Um diese Nebenkosten wieder wett zu machen, hätte sein Fonds über Jahrzehnte jährlich eine Rendite von acht Prozent oder mehr abwerfen müssen. Der AFA Global Selection Fonds Warburg, in den sein Geld geflossen ist, hat seit Auflage am 03.01. 2001 aber rund 27 Prozent an Wert verloren. Damit liegt er nach dem Platzen der Blase und der Finanzkrise zwar nicht viel schlechter als der Vergleichsindex (Quelle: Morningstar), doch eine sichere Vorsorge für das Alter sieht anders aus.

Schwieriger Ausstieg

Welche Chancen haben Betroffene, die aus ihrem Vertrag aussteigen möchten? Anwälte verweisen auf das Versicherungsvertragsgesetz. Danach müssen die Provisionskosten einer Versicherung auf fünf Jahre verteilt werden. Das muss dann auch die Berechnungsgrundlage für den Rückkaufswert (§ 169 VVG) sein. Prisma Live argumentiert allerdings, dass diese Vorschrift für ihr Modell nicht greift. Anwältin Jana Meister registriert in vielen Fällen auch eine (schadensersatzbegründende) Falschberatung: Der Vermittler, in vielen Fällen die AFA, hätte nicht als unabhängig auftreten dürfen und über die bisherige Entwicklung des Fonds informieren müssen. Davon abgesehen: Wer den Vertrag erst vor weniger als vier Wochen abgeschlossen hat, kann ihn widerrufen.

Carsten Stanke ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Seine Bilanz nach eigenen Angaben: Gut 1.000 Euro hatte er einbezahlt, knapp 80 Euro waren davon in seinem Fonds angespart. Die geforderten rund 8.000 Euro hat ihm die Prisma Life nach den Anfragen des WDR erlassen.

Autorin:

Gertrud Hussla

Kommentar E. Stopp: 

Nach dem der Umsatz bei den  steuerfreien Kapitallebensversicherungen  mit Beginn 2005  eingebrochen war, musste man sich auch auf Vermittlerseite umstellen.  Wo sollte nun der Umsatz herkommen?   Laut  Info Verordnung zum VVG  sollen die Produktanbieter den  Kunden über die Kosten des Produktes informieren.
Dies führt auf Seiten der Kunden zu einigen Irritationen und  falschen Annahmen über die Höhe der  Provision, bzw. Courtage beim Makler.
In dem man diese Vermittlerprovision vom Produkt abkoppelt  und diese Kosten der Kunde  nun mit einem  weiteren Vertrag ( Kostenausgleichsvertrag)  unabhängig vom Produkt bezahlt,  glaubte man das Problem für den Vermittler gelöst zu haben.
Das Modell ist  juristisch höchst umstritten.    
Faire  Versicherungsmakler wenden solche Methoden nicht an, die den Kunden  benachteiligen und letztlich nur Ärger für Kunde und Vermittler bringen.
   Über die  Verflechtung  von AFA  und  Prisma Life  ist im o.g  Beitrag berichtet worden. 

Aber der Kunde muss ab und zu mal fragen lassen, warum er nicht zu einem unabhängigen Vermittler - einem  seriösen Versicherungsmakler - geht?   Der Trick mit dem guten  Freund, der  gerade den " besten Tip und das Produkt "  hat, den haben doch nun schon  AWD,  Deutsche Vermögensberatung ,  OVB ,  .....angewandt.    Das der immer noch funktioniert, ist erstaunlich. !
 
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