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10.07.2018 Private Rentenversicherung – ein Auslaufmodel

NachDenkSeiten.de ;   Prof. Flassbeck:

                            Heiner Flassbeck zur Situation der Eurokrise

   . . .   im  letzten Drittel des Vortrages  wird es  spannend und  konkret ...hörenswert !

Makroskop;    Zitat:

   Private Rentenversicherung – ein Auslaufmodel

 

Von Hartmut Reiners

Die Versicherungsbranche verliert die Lust an der privaten Rentenversicherung. Der Versicherungskonzern Generali verkauft seine Lebensversicherungssparte, weil sie eine zu geringe Rendite abwirft. Das Modell ist gescheitert. Dennoch hält die GroKo an deren Förderung fest.

Der italienische Versicherungsriese Generali, hinter der Allianz die Nummer zwei im deutschen Erstversicherungsgeschäft, will aus der privaten Altersvorsorge aussteigen und 90 % der Anteile an seiner Lebensversicherungssparte an den Abwicklungsspezialisten Viridium verkaufen. Dabei geht es um 4 Millionen Versicherungspolicen mit einem Anlagevermögen von 37,1 Milliarden Euro.

Der Deal muss zwar noch von der Aufsichtsbehörde BaFin genehmigt werden, aber das Signal ist klar: Die Assekuranzbranche hat keine Lust mehr auf das Geschäft mit der privaten Rentenversicherung, das aus ihrer Sicht nur noch lausige Renditen abwirft. Die Bestandsverträge sehen meist einen Garantiezins von 4 Prozent vor. Da bleibt den Versicherungsunternehmen bei dem niedrigen generellen Zinsniveau immer weniger Profit, um die Aktionäre zu bedienen.

Von denen wird der Ausstieg von Generali aus der Lebensversicherung euphorisch begrüßt. Das Börsenmagazin Der Aktionär meldet: “Generali-Aktie geht durch die Decke“ und stellt die Frage „Was macht Allianz?“. Der Branchenführer bleibt vorerst in Deckung und lehnt den Verkauf seiner Altbestände ab, wie die Frankfurter Allgemeine (FAZ) am 6. Juli meldete. Der Versicherungskonzern Ergo plante Ende 2017 ebenfalls den Verkauf von 6,3 Millionen Policen, zog sich davon aber nach heftigen öffentlichen Protesten und zu geringen Kaufgeboten zurück. Man wickelt das Lebensversicherungsgeschäft jetzt intern ab.

Aber auch damit lässt sich noch ein Geschäft machen. Abwicklungsfirmen wie Viridium oder die Münchner Facto AG bieten Versicherten die Überprüfung ihrer Verträge an und gegebenenfalls deren Ankauf mit Sofortauszahlung an. Dieser Zweitversicherungsmarkt hatte laut FAZ (22.09.2017) 2016 einen Zuwachs von 175 auf 275 Millionen Euro. Im selben Jahr stieg der Anteil der beitragsfrei gestellten Lebensversicherungspolicen, also der Kündigung weiterer Prämienzahlungen, von 20,9 auf 27,2 %. Das Vertrauen der Kunden in die Zuverlässigkeit der privaten Rentenversicherung sinkt also deutlich.

Egal, ob die Versicherungskonzerne ihre Rentenversicherungssparte verkaufen oder zum Auslaufmodell machen – die private Alterssicherung, stets von den Leitmedien und dem politischen Mainstream als zukunftssicheres und generationengerechtes Modell angepriesen, steckt in einer Existenzkrise (siehe auch die Makroskop-Beiträge von Werner Vontobel und Wolfgang Scholz). Spiegel-Online spricht von einem „Zerfall der privaten Altersvorsorge“. 34 von 84 Lebensversicherern und ein Drittel der 137 Pensionskassen stehen wegen ihrer Risiken unter „intensiver Aufsicht“ des BaFin.

Wenn sich schon die Versicherungswirtschaft aus dem Geschäft mit der privaten Rentenversicherung zurückzieht, sollte man eigentlich annehmen, dass sich die Bundesregierung von deren Förderung verabschiedet. Die als Kompensation für die Kürzung der gesetzlichen Rente gedachte Riester-Rente hat ihr Ziel klar verfehlt und sich als Subventionierung der höheren Einkommensklassen entpuppt. Dennoch halten die Regierungsparteien an diesem Konzept grundsätzlich fest. Im Koalitionsvertrag heißt es auf Seite 93:

„Wir halten am Drei-Säulen-Modell fest und wollen in diesem Rahmen die private Altersvorsorge weiterentwickeln und gerechter gestalten. Es ist ein

Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft anzustoßen mit dem Ziel einer zügigen Entwicklung eines attraktiven standardisierten Riester-Produkts.“

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Die meisten Bürger sind in der gesetzlichen Sozialversicherung finanziell besser und vor allem sicherer aufgehoben, wie man sogar in der FAZ nachlesen kann. Ihre Redakteurin Ulrike Brandstetter weist darauf hin, dass nachträgliche Einzahlungen in die Sozialversicherung vor allem wegen der regelmäßigen Anpassung ihrer Leistungen an die allgemeine Einkommensentwicklung eine lohnende Anlage für Personen sind, die als nicht mehr Pflichtversicherte noch ein Konto bei der DVR oder einer gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung unterhalten. Damit werden nicht nur langfristige Renditen bei der Rentenauszahlung von 2 bis 3 % ermöglicht, sondern auch Steuerersparnisse. Mehr ist auch mit privaten Vermögensanlagen meist nicht zu erreichen, wie der FAZ-Autor Daniel Mohr in seinem Beitrag „Reicht eine Million zum Leben“ vom vergangenen Samstag (07.07. 2018) zeigt.

Vor diesem Hintergrund ist das Festhalten der Bundesregierung an der Riester-Rente eine Verschwendung von Steuermitteln. Das dafür aufgewendete Geld wäre im Sozialbudget effektiver und zielgenauer aufgehoben. Das müssten eigentlich auch neoklassische Ökonomen und der publizistische Mainstream allmählich erkennen.

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Meldung vom 2018-07-11 - Fair-Makler.com